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«Die gemeinsame Klärung der Werte des Klienten ist ein höchst wichtiger therapeutischer Faktor C»[1]

Bertram Müller

Rivista GTK n. 07

Bei einer genaueren Betrachtung des ethischen Zustands unserer Gesellschaft und unseres Planeten muss man äußerst beunruhigt sein: Unmoral, wo man nur hinschaut: Die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen – viele von ihnen werden bald für immer verloren sein! Die Korruption auf allen gesellschaftlichen Ebenen, in allen Ländern! Die Gier internationaler Banken und Finanzsysteme, durch deren Handelsbedingungen Hunderttausende von Menschen weltweit jährlich getötet werden! Oder die politischen Kampagnen, die mit Lügen gespickt lediglich auf kurzfristigen Gewinn von Wahlkämpfen ausgerichtet sind!
Aber betrachten wir doch genauso den zunehmenden Mangel an ethischem Handeln in unserem sozialen und privaten Leben! Was kann man einem Klienten entgegnen, der sagt: «Es tut mir so leid. Ich habe mich von meiner schwangeren Frau getrennt, weil ich mich in eine andere Frau verliebt habe»? Wo sind Würde, Anstand‚ Religio geblieben?
Im ‘Appell an die Welt’ schreibt Dalai Lama: Man kann ohne Religion leben, aber nicht ohne innere Werte wie Liebe und Freundschaft[2]. Dalai Lama sieht den Schlüssel zum Ethischen in einer dem Menschen angeborenen ‘Bewusstheit’. Doch was ist mit dieser genetischen Disposition, der Grundlage zur Entwicklung des ethischen Profils des Menschen, geschehen? In den 1950-er Jahren waren die Gründer der Gestalttherapie bereits auf diesem Weg, als sie auf der Basis des Awareness Continuum neue postmoralische Konzepte des ethischen Denkens und Handelns entwickelten.
Wie kann diese menschliche Fähigkeit zur Bewusstheit so veredelt werden, dass diese als Grundlage für die Entwicklung eines selbstbestimmten ethisch reflektierten Lebensstils dienen kann, der sowohl gut für einen selbst als auch für andere ist? Unsere moderne, extrem individualistische westliche Kultur hat uns offenbar von dem ethischen Gespür, das eine solche Balance zwischen mir und meiner Welt da draußen herstellen kann, zu stark entfremdet. Ich vermute zwar, dass manche unserer Freestyle-Formen der täglichen Selbstperformanz, des schönen Scheins und des Lügens eine Art kreativer Anpassung sind. Aber: Wo ist die rote Linie von diesem täglichen Cocktail von Wahrheiten und Lügen, deren Überschreitung unsere eigene Integrität, das Vertrauen unserer Freunde und das Funktionieren unserer gesellschaftlichen Mechanismen gefährdet?
Was können Gestalttherapeuten dazu beitragen, einen Weg heraus aus dieser ethischen Misere unseres sozialen und beruflichen Lebens zu finden, jenseits biographisch fixierter und fremdbestimmter Werte und Glaubenssysteme? Haben wir wirkungsvollere Antworten auf die Fragen von Kant: Wie kann das Individuum aus sich selbst heraus im Austausch mit seiner Umwelt ethisch bestimmen und entsprechend handeln?

Da un’osservazione più accurata della condizione etica della nostra società e del nostro pianeta c’è da essere estremamente preoccupati: lo sfruttamento delle risorse naturali, la corruzione a tutti i livelli sociali, l’avidità delle banche e dei sistemi finanziari internazionali, le campagne politiche ingannevoli…

Ma osserviamo
allo stesso modo la crescente mancanza dell’agire etico nella nostra vita sociale e privata!

Nel suo “Appello al mondo” il Dalai Lama scrive: si può vivere senza la religione, ma non senza valori intrinseci come l’amore e l’amicizia.
Il Dalai Lama vede in una “consapevolezza” innata dell’uomo la chiave dell’etica

Negli anni ‘50 i fondatori della terapia della Gestalt lavoravano proprio in questa direzione quando hanno sviluppato nuovi concetti dell’agire e del pensare etico sulla base del continuum della consapevolezza

II. Grundlegende Paradigmen einer ethischen Konzeption der Gestalttherapie

1. Selbstakzeptanz, Agape, das Ich und das Du

Ich begrenze mich auf einige wenige grundlegende Erfahrungen und spezifische psychischen Strukturen, die den Menschen im besonderem Maße dazu befähigen, eine individuelle Rahmung zu entwickeln, die für ein differenziertes, flexibles und zugleich zuverlässiges ethisches Profil unabdingbar ist. Die dafür grundlegendste Voraussetzung ist die Erfahrung,

akzeptiert zu werden als die Person, die ich bin. Hierauf aufbauend können dann eine individuelle Identität sowie ein individuelles (intrinsisches) ethisches Profil entwickelt werden. Ohne Selbstakzeptanz ist die Akzeptanz von anderen schwer möglich. Eine auf Zwischenmenschlichkeit bezogene Dimension wie die Ethik kann nicht primär auf biologischen, triebhaften Faktoren begründet werden (vgl. Freud; Reich), sondern nur in einem in gleichem Maße starken psycho-kulturellen und in einem interpersonell begründeten Prinzip. Selbstakzeptanz und Selbstwertgefühl entwickeln sich psychologisch durch die gespiegelten Reaktionen anderer Menschen[3]. Natürlich muss sich die Erfahrung, akzeptiert zu sein, schrittweise zu einem generalisierten Selbstbild entwickeln, in einer inneren und selbstreflexiven ethischen Haltung symbolisiert und auf der neurologischen Ebene im Langzeitgedächtnis (Persönlichkeit-Netzwerk des Selbst) gespeichert werden. Diese grundlegende Erfahrung und ein festes Vertrauen darauf, akzeptiert und ein wertvoller Mensch im Rahmen des ihn umgebenden Weltbilds zu sein, führt zu einem für ethisches Handeln grundlegenden positiven Selbstwertgefühl, um zu sich sagen zu können: «Ich bin ok!» Das Forscherteam um Sheldon Solomon hat nachgewiesen, dass «Selbstachtung bzw. ein wertvoller Mensch und ein wertvoller Teil einer sinnerfüllten Welt zu sein»[4], die entscheidende Grundlage für ein konstruktives ethisches Denken und Handeln ist. Es mag Sie als postmodernen Leser überraschen, dass dieses grundlegende ethische Konzept zur Erlangung einer individuellen Selbstakzeptanz historisch niemand anderem als einem unserer christlichen Vorfahren zu verdanken ist: Dem Paulus von Tarsus, der mit seiner kulturprägenden Damaskus-Erfahrung von sich selbst erzählt, sich über Nacht von einem auf Gesetze pochenden Saulus zu dem Liebe predigenden Paulus verwandelt zu haben. Ein guter Mensch zu werden und zu sein, bedeutet nach Paulus schlicht zu akzeptieren, von Gott geliebt zu sein. Das ist allerdings aus psychologischer Sicht ein nicht ganz einfaches projektiv-introjektives Manöver: Denn die Vorstellung und das Vertrauen darauf, dass ich als Person o.k. bin, benötigt zur Stabilisierung eine Verankerung in einem Absoluten, einem abstrakten ‘Du’, um zum unumstößlichen Faktum meines Selbstwertgefühls zu werden. Dies macht deutlich, auf welchen grundlegenden psychologisch-projektiven Mechanismen unsere ethische Konzeption begründet ist. Die besondere Botschaft des Neuen Testaments liegt in einer grundlegend neuen Idee zum Aufbau einer inneren und andauernden Gewissheit, die darin besteht, als derjenige, der man ist, gerechtfertigt zu sein, und zwar ohne Bezug zu einer Autorität auf Erden, sondern allein durch eine auf das einzelne Individuum bezogene absolute Liebe (hier in der abstrahierten Idee eines mich liebenden Gottes)[5].

Das Ich und das Du: Rank und Buber

«Es gilt an die Stelle der Gottheit die Gemeinschaft zu setzen»[6].

Besonders Ranks umfassende anthropologische und psychologische Forschung zu diesem grundlegenden Thema eröffnet, neben den weithin bekannten Thesen von Buber, weitere psychologische Einsichten in die Bedeutung von Spiritualität und Illusionen, besonders für den nach Individualität strebenden Menschen unserer Zeit, sowie für die Entwicklung dessen individuellen ethischen Profils.

Una dimensione riferita all’interpersonalità come l’etica non può essere fondata primariamente su fattori biologici, istintivi (si vedano Freud, Reich), ma solo su un forte principio psico-culturale e interpersonale. L’accettazione di sé e l’autostima si sviluppano psicologicamente attraverso le reazioni riflesse di altre persone

Gleichzeitig mit Bubers «Ich und Du»[7]. schreibt Rank in «Trauma der Geburt»[8], dem Werk, welches dessen Trennung von Freud führt, folgendes: «In menschlichen Beziehungen, insbesondere in der Liebe als der Erfahrung des Einsseins gibt es keinen dazwischenliegenden Raum, keine zwei, denn beide sind eins (…). Ich bin zur selben Zeit Ich und Du, Du bist gleichzeitig Du und ich»[9]. «Liebe löst Egoismus auf sie vereint das Selbst im anderen und entdeckt es bereichert im eigenen Ego wieder»[10]. Rank schlägt vor, dass diese psychologische Dynamik dieser Einheitserfahrung (vgl. Haltung im ‘mittleren Modus’) letztlich in vorgeburtlichen Bedingungen begründet ist, in denen das Kind nicht nur mit der Mutter, sondern darüber hinaus auch mit der Welt und Natur insgesamt eng verbunden gewesen ist, wenn auch nicht in einer selbstbewussten Weise. Eine für die Bildung eines individuellen ethischen Profils grundlegende Erfahrung ist, «dass das Echo auf diese originale Erfahrung im Verlauf und zum Zweck der Selbstentwicklung, nunmehr bewusst wiederaufgenommen wird»[11]. «Der Drang des Individuums, diese verlorene Einheit wiederherzustellen, ist ein entscheidenderer Faktor bei der nunmehr bewusst vollzogenen Entwicklung humaner kultureller Werte»[12]. Aber dieses fundamentale Reziprozität der Selbstakzeptanz durch die bewusst erlebte Liebe als Grundlage der Bezogenheit zur Welt, einem Du, hat für viele Menschen, wie wir aus unserer therapeutischen Praxis wissen, einen schwer zu überwindenden Haken: Man muss sich einem anderen hingeben, anvertrauen, seinen individuellen Willen vorübergehend erweichen lassen können. Für Viele ist es deshalb nicht leicht, dieses Geschenk der bedingungslosen Liebe und Akzeptanz anzunehmen. In religiöser und säkularer Erziehung scheint oft vergessen zu werden, dass dieses Angebot der bedingungslosen Liebe auch die Möglichkeit des Widerstands gegen diese geschenkte Liebe beinhalten muss, insbesondere um der Selbstwerdung willen, die sich primär in Abgrenzung und Auseinandersetzung des werdenden Individuums mit dem Willen des anderen bildet, erstmalig in dem Begriff ‘Agape’[13]. repräsentiert. Die spezifische Eigenschaft von ‘Agape’ beinhaltet insbesondere die Akzeptanz des ‘Nein’ als wichtige Voraussetzung zur Entfaltung und zum Ausdruck des individuellen Willens. Besonders eine therapeutische Beziehung muss anders als eine Top-/Down- und mehr als eine Subjekt-Objekt Beziehung sein. Es geht um eine spezifisch dialogische Beziehung, basierend auf der realen Erfahrung von Akzeptanz des individuellen Willens und der Identität durch den Anderen. Für Rank kann das ethische Selbstverständnis einer Person nur als und in einer Ich-Du-co-kreativen-Beziehung erfahren, verstanden und ggf. verändert werden[14].

Contemporaneo a “l’Io e il Tu” di Buber, Rank scrive il “Trauma della nascita”.

Rank sostiene che la dinamica psicologica dell’esperienza dell’unità in fondo si basa su condizioni prenatali, nelle
quali il bambino era strettamente legato non solo alla madre, ma anche al mondo e alla natura tutta, anche se non in maniera consapevole

La specifica qualità dell’Agape comprende in particolare l’accettazione del “no” come condizione importante per lo sviluppo e l’espressione della volontà individuale. In particolare, un rapporto terapeutico non deve configurarsi come un rapporto alto/basso ma più come un rapporto soggetto-oggetto

Mit der Wiedereinführung des Agape-Konzeptes in die psychologische Diskussion der 1930-er Jahre öffneten Rank zur gleichen Zeit wie Buber und nachfolgend Perls u.a. die Türen zu einem neuen Verständnis der ethischen Dimension des Menschen, der sich als selbstschöpferisches dialogfähiges, ethisches Wesen von biologischen oder sozialen Bestimmungen loslösen kann, und in der Lage ist, seine eigene Art des Seins, verbunden mit anderen zu gestalten und selbst zu rechtfertigen. Es war Rank der anders wie Freud betonte, dass die Suche des Menschen nach Spiritualität und Illusionen in der Regel keine neurotischen Symptome sind, sondern fundamental sind für die Entwicklung einer individuellen selbstverantwortlichen Persönlichkeit wie auch die Schaffung von Kunst, jenseits einer Abhängigkeit von kollektiven Systemen und Autoritäten der Moral. Von den spirituellen Tiefen der Selbstakzeptanz und Liebe als Grundlage zur Entwicklung der ethischen Persönlichkeit, leite ich über zu den beiden großen Mitspielern und Antagonisten allen ethischen Denkens und Handelns: ‘Bewusstsein’ und ‘Wille’. Unsere Ethik und ganze Legislative basieren auf dem Prinzip: Ohne den bewussten Willen, der in der Lage ist, auf die inneren Bedürfnisse und die äußere Realität bewusst kontrollierend einzuwirken, gibt es keine individuelle Verantwortung!

Con la reintroduzione del concetto dell’agape nella discussione psicologica degli anni ‘30, Rank – nello stesso periodo di Buber – e a seguire, tra gli altri, Perls, hanno aperto le porte a una nuova comprensione della dimensione etica dell’uomo

2. Ethik, Bewusstheit, Bewusstsein, der individuelle Wille und Gefühle

«Das kleine Wort ‘ich will’, ist mächtig, spricht´s einer still und leis, die Sterne reißt‘s vom Himmel, das kleine Wort ‘ich will’» J. W. von Goethe

Welche Bedeutung hat der Begriff ‘Wille’, der den Menschen dazu befähigt, sein individuelles selbstbestimmtes ethisches Profil zu entwickeln und Verantwortung für sein individuelles Handeln zu übernehmen, in der Gestalttherapie? In der Theorie ‘Gestalttherapie’[15] wird der

Begriff ‘Wille’ kaum, allerdings häufig in gestalttherapeutischer Praxis verwendet, wenn wir dem Klienten z.B. Fragen stellen wie: «Was wollen Sie als nächstes?» Perls u.a. bevorzugen in ‘Gestalttherapie’[16] den Begriff ‘Willensanstrengung’[17], die innerhalb des Prozesses der kreativen Anpassung den dynamischen Ausgleich von Spannungen an der Kontaktgrenze zwischen dem Innen und Außen bezeichnet. «Sind die Spannungen auf beiden Seiten der Grenze schwer auszugleichen gewesen, hat es daher viel Planung und Anpassung gegeben, und ist endlich die Entspannung da, dann ergibt sich die wunderbare Erfahrung ästhetisch-erotischer Versunkenheit (…), die Schönheit des Augenblicks entsteht, weil die Willensanstrengung nachlässt und in eine harmonische Interaktion überfließt»[18]. Auf der theoretischen Ebene wird von Perls u.a. der Begriff ‘Ich-Funktion’ anstelle des traditionellen Begriffs ‘Willen’ eingeführt. Der Begriff ‘Ich-Funktion’ der den gesamten Kontext der menschlichen Steuerungsfähigkeit einzubeziehen beabsichtigt, kann als strukturelles und begriffliches Äquivalent zum Rank‘schen Verständnis des kreativ bewusst steuernden Willens gesehen werden[19]. Denn die Ich-Funktion bedeutet bei Perls/Goodman, wie der Wille bei Rank, eine Steuerungsfunktion innerhalb des Zusammenwirkens von Organismus und Umwelt.

Nella teoria della terapia della Gestalt il concetto di “volontà” viene utilizzato raramente, anche se questo avviene frequentemente nella pratica terapeutica gestaltica, ad esempio quando poniamo al paziente domande come: “Quale vuole che sia il prossimo passo?”

In Ranks nachfreudianischen Schriften nimmt der Wille eine Schlüsselposition ein; er definiert diesen als «eine autonom organisierende Kraft im Individuum, die keinen besonderen biologischen Impuls oder sozialen Trieb repräsentiert, aber den kreativen Ausdruck der ganzen Persönlichkeit konstituiert» und sogar in der Lage, gegen biologische Triebe zu opponieren und damit eine entscheidende Kraft zu ethischem Handeln ist (vgl. Rank). Ohne einen individuellen, steuernden Willen gäbe es weder Verantwortung noch Ethik. Nach Rank ist «die dynamische Macht des Willens zwar in seiner Verwurzelung im Instinktiven begründet, jedoch durch die menschliche Fähigkeit zur Selbstbewusstsein emporgehoben in die Sphäre des Ichs und damit eine gezähmt-kontrollierten Kraft (…), die frei innerhalb der individuellen Persönlichkeit sich als Kreativität manifestiert»[20]. Damit ist für Rank der Verlust der individuellen Willens- und Steuerungskraft der Grund aller psychischer und ethischen Misere, ähnlich zu der Auffassung der Gestalttherapie, bei der der Verlust der Ich-Funktion als Ausgangspunkt für alle psychischen Dysfunktionen gesehen wird[21].

Zur Entwicklung des autonomen Willens als Grundlage ethischer Selbstbestimmung

Senza una volontà individuale, guidata, non ci sarebbero né responsabilità né etica

Wie entwickelte sich dieser kreative individuelle menschliche Wille, diese entscheidende Ja-/Nein-Funktion und damit die Fähigkeit, individuelle ethische Werte zu erschaffen und selbstverantwortlich situationsangemessene Entscheidungen zu treffen? Rank beschreibt paradigmatisch die psycho-genetische Entwicklung des individuellen Willens in engem Zusammenhang mit der Kultur genetisch bedingten Zunahme des Bewusstseins des Menschen und darüber hinaus der Befreiung von der zwanghaften Bestimmung durch die Instinkte[22]. «Solange der instinkthafte Wille nur ein Kommentator der äußeren und inneren Reize gewesen ist, war der Mensch ganz Eins mit sich wie im Paradies in Harmonie mit der Natur»[23] – sozusagen im dauerhaften Zustand des mittleren Modus. Die schrittweise Zunahme der Bewusstheit der Gattung Human Animal, die ursprünglich nur ein Begleitaspekt des instinktiven Wollens war, emanzipiert sich zu einem selbstbewussten Willen und damit zu einer eigenständigen psychischen Kraft[24]. Dadurch wurde es erstmals möglich, die verschiedenen instinktiven und spontanen menschlichen Intentionen nicht nur zu unterstützen, sondern erstmals sogar zu hemmen, was ein grundlegender Mechanismus für ethisches Handeln ist. Dies befähigt das menschliche Wesen dazu zu sagen: Das will ich, das will ich nicht und ermöglicht selbstbewusst, ja kreativ zu sein. Zunächst aber in ‘negativer’ Weise: Nein, das will ich nicht – als «Verleugnung des instinktiv Notwendigen». Wie Sie vielleicht aus eigener Erfahrung mit kleinen Kindern auf dem Weg ihrer Entwicklung zu Individuen wissen, sagen diese zuerst ‘Nein’. Perls et. al. überträgt diese verschiedenen Aspekte des intuitiven Wollens, des bewussten Willens und des mehr und weniger absichtsvollen Handelns in einen Prozess des Herstellens von Kontakt und der Wieder-Auflösung des Ichs und Selbstbewusstseins[25]. Ethisches Bewusstsein zu erlagen bedeutet sowohl für Rank als auch für die Gestalttherapie: Der Klient wird dabei unterstützt, sich und vor allem seiner selbst bewusst zu werden. Er wird Schritt für Schritt dazu ermutigt, seine eigenen Gefühle, Emotionen und Intentionen zu äußern. Eine weitere damit eng verbundene entscheidende Frage lautet: Wie entwickelte sich eigentlich durch Erfahrung, insbesondere des Fühlens, diese spezifisch menschliche Fähigkeit, ethisch bewerten und urteilen zu können? Der entscheidende Schritt zur ethischen Selbstbestimmung vollzog sich der psychogenetischen Analyse Ranks zufolge, als das menschliche Lebewesen damit begann, seine besondere Fähigkeit zur Bewusstheit auch nach innen, auf sein Selbst zu richten. Dadurch begann der seiner selbst bewusste gewordene Mensch, sich selbst zu entdecken und begreifen (Wer bin ich?) und seine eigene innere Realität zu bestimmen (Wer möchte ich sein?).

Rank descrive paradigmaticamente lo sviluppo psico- genetico della volontà individuale in stretta connessione con l’aumento genetico culturale della consapevolezza dell’uomo e inoltre con la liberazione dalle norme comandate attraverso gli istinti

Diese menschliche Fähigkeit, sein Bewusstsein auch auf sich selbst nach innen zu richten, hat einen aktiven und einen passiven Effekt[26]. Der aktive Effekt dieser Wendung nach innen wird als Bewusstheit des eigenen Körpers, der Gefühle und der mentalen Aktivitäten erlebt; in der Gestalttherapie wird dieser aktive Effekt besonders intensiv im aktuellen Prozess an der Kontaktgrenze beachtet: Was fühlst du jetzt, was brauchst du als nächstes (= Es-Funktion)? Der mehr verborgene, aber ebenso wichtige passive Effekt dieser Wendung des Selbstbewusstseins nach innen, wirkt in der Schaffung innerer ethischer und ästhetischer Normen. Dabei werden durch neurologische Prozesse sowohl angeborene Neigungen als auch reflektierte und assimilierte Erfahrungen zu einem mehr oder weniger konstanten individuell bejahten, ethischen Persönlichkeitsprofil als ‘Verantwortungsstruktur des Selbst’[27] synchronisiert, das auch auf aktuelle ethische Herausforderungen an der Kontaktgrenze im ‘Hier und Jetzt’ angemessen zu reagieren und sein Handeln zu rechtfertigen vermag. Ohne jeweils im aktuellen Handlungsvollzug einen Bezug zu diesen inneren selbst entwickelten ethischen Werte herzustellen (gespeichert im ‘Persönlichkeits-Archiv’) ist kein individuell bestimmtes ethisches Handeln möglich.

Questa capacità umana di dirigere la propria consapevolezza anche verso sé stessi e verso l’interno, ha un effetto attivo e passivo. L’effetto attivo viene vissuto come consapevolezza del proprio corpo, dei sentimenti e delle attività mentali. L’effetto passivo opera nella creazione di norme interne etiche ed estetiche

3. Ethik und Ästhetik, das Hier und Jetzt und Veränderung

«Seinem eigenen Charakter Stil zu geben, ist eine große und seltene Kunst» F. Nietzsche 1954

Mit tiefstem philosophischem, psychologischem und spirituellem Verständnis haben die Begründer der Gestalttherapie den Fokus auf das ‘Hier und Jetzt’ ins Zentrum ihrer therapeutischen Konzeption einer heilsamen Veränderung gestellt. Wie bereits oben angedeutet, war es auch hier Paulus von Tarsus, der als erster eine psychologisch nachhaltige Lösung für eine Selbstgestaltung der eigenen individuellen Identität aus sich selbst heraus im Hier und Jetzt entworfen hat. Seine fundamental neue Vorstellung ist in seiner bereits erwähnten Damaskus-Erfahrung symbolisiert. Sie bedeutet: Über ein besseres Leben und deine neue Identität kannst Du selbst entscheiden und zwar jetzt. Klammere Dich nicht an die Vergangenheit, warte nicht auf die rettende Zukunft, und warte nicht auf eine Rechtfertigung, bis du im Himmel bist – und nicht, bis 100 Stunden Psychotherapie beendet sind! Das Wort ‘Jetzt’ im Sinn von Paulus bedeutet eine Einladung zur Selbstermächtigung zu bestimmen, wer man sein will und zwar jetzt! Er geht damit über die rein zeitliche Bedeutung des Begriffs ‘Jetzt’ hinaus. Mit dieser neuen Deutung der besonderen Gestaltungsmacht des ‘Hier und Jetzt’ legitimiert Paulus erstmalig auch die selbst initiierte Veränderung der eigenen Persönlichkeit als eine Herausforderung im Sinne der Selbstverantwortung für sich selbst im Jetzt. Dies istzugleich eine neue Konzeption zur Überwindung der existentiell bedingten Todesfurcht, religiös gesprochen eine neue Art der Auferstehung vom Tod zum Leben. Paulus’ Idee war ein grundlegend neues Konzept einer selbst bewirkten Neugeburt und eigenen Selbstnachfolge des Individuums im Hier und Jetzt, anstelle der biologischen, von der Natur ausschließlich vorgesehenen Nachfolge und möglichen Verewigung durch Reproduktion.

Diese neue Idee eröffnet die Möglichkeit und das von Perls u.a. angesprochene Verständnis einer selbstbewirkten Transformation zu einem ethisch besseren Leben und einer selbst gestalteten Persönlichkeit durch eine zweite Geburt auf psychologischer Ebene – nicht im Jenseits, sondern im Hier und Jetzt, ganz im Sinne von Perls: «To suffer ones death and to be reborn is not easy». Dies ist damals wie heute ein bedeutender psychogenetischer Schritt weg von einer biologischen bzw. sozialen Bestimmung hin zu einer selbstbestimmten Transformation der individuellen Persönlichkeit. Doch die neu gewonnene Möglichkeit zur Selbstgestaltung hat einen großen Haken, der ein Grund für den Mangel vieler Menschen an einem autonomen wie sozial verträglichen ethischen Profil in unserer individualisierten Zeit sein könnte: Je weniger man extrinsische, kollektiv akzeptierte Normen übernimmt, desto mehr benötigt man selbstgeschaffene ethische Maßstäbe und vor allem eine ethisch überzeugende Ideologie zur Rechtfertigung der eigenen ethischen Wertmaßstäbe. Sich diese Werte selbst zu erschaffen, ist nicht leicht und geht nicht ad hoc, denn dies erfordert sowohl unmittelbar selbst erlebte, erlittene und reflektierte Erfahrungen in ethisch herausfordernden Situationen als auch philosophische (Grund-)Kenntnisse zur ethischen Selbstrechtfertigung eigener Handlungen. Die kreative individuelle Persönlichkeit mit der Fähigkeit zur Selbstprogrammierung des eigenen ethischen Navigationssystem strebt allerdings, gemäß der Organismus-Feld orientierten Gestalttherapie nicht nur nach persönlichem Fortkommen und Überleben, sondern erfährt sich selbst auch als Teil eines größeren sozialen Kontextes, ethisch verbunden mit anderen. Die oben ausgeführten Aspekte legen es nahe, nicht nur die individuellen ethischen Werte der Beteiligten innerhalb einer Therapie offen anzusprechen, sondern insbesondere die im therapeutischen Kontext entstehenden neuen Werte innerhalb des zwischenmenschlichen therapeutischen Prozesses hervorzuheben.

Meno si riconoscono le norme estrinseche, collettivamente accettate, più si avverte il bisogno di norme etiche autocreate e soprattutto di una ideologia etica convincente per la giustificazione dei propri criteri etici

Ethik und Ästhetik

Innerhalb des Kontexts von Ethik kann die Ästhetik insofern als ein wichtiger, korrigierender Aspekt der Ethik gesehen werden, insofern sie einen wichtigen nichtfunktionalen Aspekt des ethischen Denkens und Verhaltens hervorhebt. Der Begriff ‘Ästhetik’ wird bemerkenswert oft in Zusammenhang mit Gestalt therapeutischer Praxis verwendet[28]. Erinnert sei auch an Lore Perls, die betonte: «Gestalt ist eigentlich ein philosophisch-ästhetischer Begriff (…). Ich würde eine Trennung zwischen Therapie und Kunst gar nicht machen»[29]. Was sagt die Verwendung des Begriffs Ethik im Kontext von Psychotherapie über dieselbe aus?

Meno si riconoscono le norme estrinseche, collettivamente accettate, più si avverte il bisogno di norme etiche autocreate e soprattutto di una ideologia etica convincente per la giustificazione dei propri criteri etici

Der Begriff ‘Ästhetik’ ist ursprünglich keineswegs nur mit Maßstäben zur Bewertung von Kunst, sondern ebenfalls mit der Frage nach einem guten und richtigen Lebensstil verbunden[30]. Ästhetik ist damit ein Teilaspekt der Ethik, da sich sowohl die Ästhetik als auch die Ethik auf spezifische Bedingungen eines guten Lebensstils beziehen – nicht in moralischem Sinne, sondern bezogen auf die individuell bevorzugte Lebensgestaltung, die heute als Hauptanliegen Vieler (All what counts is: you better make a good performance) gegenüber einer ethisch reflektierten sozialen Mitverantwortung oft zu sehr im Vordergrund steht. Der griechische Begriff αἴσθησις – aísthēsis bedeutet ‘Theorie der Wahrnehmung’ – eine Wahrnehmung, die unsere Sinne durchläuft und sowohl eine affektive als auch imaginative Aufmerksamkeit beinhaltet[31]; diese impliziert eine bestimmte menschliche Haltung in Bezug auf die Realität, die sowohl in einer gewissen Art von Wahrnehmung eines Objektes als auch in einem besonderen Prozess des Wahrnehmens besteht. Die Besonderheiten einer ästhetisch wie der ethisch orientierten Wahrnehmung ist: Beide sind prozessorientiert und selbstreferenziell. Ästhetik bezieht sich auf das sinnliche und mentale Begreifen dieser prozessorientierten Wahrnehmung und bezeichnet eine Aufmerksamkeit, die nicht durch einen bestimmten Zweck, sondern durch die wahrnehmende Erfahrung an sich motiviert ist. Deshalb lässt sie sich in der Regel auf eine spezifische Zeitform der Wahrnehmung ein: den Modus ‘des Verweilens’[32]. Dieser Modus schließt weder die Vergangenheit noch die Zukunft aus – es ist ein Verweilen in der Wahrnehmung, die in besonderer Aufmerksamkeit auf den zeitlichen Prozess der Interaktion des Subjekts mit dem Objekt in der Kunst oder dem Subjekt in der mitmenschlichen Begegnung steht. Besonders in diesem Zustand werden wir uns sowohl unserer eigenen körperlich-physischen Position als auch speziellen Qualitäten innerhalb spezifischer Orte und Personen bewusst. Deswegen ist die Einbeziehung aller persönlichen Empfindungsmöglichkeiten sehr wichtig für diesen ästhetischen Prozess, auch als Grundlage ethischer Entscheidungsprozesse. Mit den Worten von Perls et al: Die «hellwache Wahrnehmung und ihr freies, scheinbar zielloses Spiel lassen die Energie spontan fließen und zu zauberhaften Erfindungen gelangen»[33]. Die besondere ästhetische Qualität des Awareness Continuums des Gestaltkonzeptes kann mit Recht als ein zentraler Schlüssel zu einem autopoetischen Prozess der Integration ästhetischer und ethischer Dimensionen mit einer hochpotenten therapeutischen Wirkung gesehen werden. Dies geschieht besonders in dem Moment, wenn der Klient seine Vergangenheit loslassen kann, und sein absichtsvoller kontrollierender Wille schließlich in der Phase des vollen Kontaktes verblasst, dann ist das spontane, kreative Selbst an der Kontaktgrenze im Hier und Jetzt in der Lage, seiner integrativen Kraft zur vollen Entfaltung zu bringen. «Natur heilt»[34] besonders durch die ethisch-ästhetische selbstformende Qualität der Wahrnehmung im mittleren Modus.

Der Einfluss Nietzsches auf das Verständnis der Gestalttherapie von der selbstschöpferischen Persönlichkeit

Die besondere ethisch/ästhetische Dimension der Gestalttherapie ist durch die philosophischen und psychologischen Schriften Nietzsches geprägt, die besonderen Einfluss auf die Kultur- und Kunstszene der 1920-er Jahre in Berlin hatten, in der Fritz Perls aktiv war[35]. Die hellenistisch-ästhetische Perspektive in der Interpretation durch Nietzsche repräsentiert ein neues Verständnis der Welt, in dem das Leben vergleichbar mit der Erschaffung eines Kunstwerks gedeutet wird – und zwar als Erfindung einer neuen und bis dahin nichtexistierenden Realität[36]. In seinem Werk «Also sprach Zarathustra» drückt Nietzsche seine Vorstellung des Lebens als ästhetischer Prozess aus, indem er das Leben als «ein sich selbst gebärendes Kunstwerk»[37] beschreibt. Dabei ist der kreative individuelle Wille sowohl die Voraussetzung für jeglichen künstlerisch-ästhetischen Selbstentwurf des Lebens als auch für den Menschen insgesamt, besonders für seine individuelle Persönlichkeitsentwicklung und Wertorientierung. Nietzsches Anliegen besteht darin, die Überhand nehmende Rationalisierung des Lebens zurück zu drängen und stattdessen mehr den menschlichen Grundbedürfnissen und Möglichkeiten nach authentischer Gestaltung des eigenen Lebens zu folgen. Sein Verständnis von richtiger Lebensführung ist an einer selbstbewusst vollzogenen Neuorientierung der Entwicklung eigener ethischer und ästhetischer Werte aus der unmittelbaren Gegenwart mit Blick auf die Zukunft orientiert, anstelle an den Werten der Vergangenheit, ein Perspektive, die Rank und später Perls u.a. in den Kontext ihre therapeutischen Konzepte entsprechend übertragen haben. Eine andere, aber ebenfalls grundlegende Position der Gestalttherapie ist mit Nietzsches Philosophie verbunden: Ästhetik ist der Realität immanent. In diesem Sinne benötigt der Mensch nicht länger irgendeine transzendentale Wahrheit, «er erkennt, indem er dichtet, und er dichtet, indem er erkennt»[38]. Man könnte meinen, der folgende Satz stammt direkt von Perls oder Goodman: «Wir aber wollen die Dichter unseres Lebens sein, im Kleinsten und Alltäglichsten zuerst»[39]. Dazu Perls u.a.: «Der Mensch erfindet und macht sich selbst»[40]. Die Aufgabe, unser eigenes Leben und unsere Persönlichkeit zu formen, ist nach Nietzsche vergleichbar mit dem Verhältnis des Künstlers zu seinem Werk. Wir sind dazu verdammt, Künstler zu sein, und zwar einer, der kreiert durch und an sich selbst. Nietzsche und Perls sind sich darin einig, dass diese Selbsterschaffung und Selbsterziehung des Individuums nur dann als ästhetisch und ethisch bezeichnet werden können, wenn diese sich selbst von der dominierenden Moral befreit hat[41]. Daher folgt die intendierte Selbsterschaffung auch keiner Instanz von außen, sondern einzig dem freien Willen des Individuums, das aus der Gegebenheiten seiner gegenwärtigen Erfahrung «sich selbst seine Maßstäbe gibt»[42]. In Nietzsches Schriften ist die Ästhetik nicht unmittelbar ein ethisches Regulativ, sondern eine Lebensstimulation. Sie ist eher dionysisch, eigene Grenzen freisetzend und auf einen offenen Prozess des Werdens vertrauend. Perls war 

La prospettiva estetico-ellenistica nell’interpretazione di Nietzsche rappresenta una nuova comprensione del mondo, in cui la vita viene interpretata come paragonabile alla creazione di un’opera d’arte – e anche come invenzione di una nuova e fino ad allora inesistente realtà

Nietzsche in diesem ausdrucksvollen dionysisch-ästhetischen Stil nahe[43]. Doch diese Position, häufig als der Gestalt-Stil bezeichnet (a glittering show of technique[44]), und als egoistisch, unverantwortlich kritisiert, wurde entschieden korrigiert durch Laura Perls, Goodman, From, Yontef und viele andere, die betonen, dass die ästhetische und ethische Dimension für die Gestalttherapie zuerst Autonomie und Selbstverantwortung bedeutet, allerdings im Kontakt und in ethisch reflektierter Beziehung zu seiner Umwelt. Aber was geschieht, wenn jemand in seiner gewohnten Komfortzone feststeckt und damit auf einem niedrigeren Level von Glück und sozial-ethischer Verpflichtung? Wie können wir unsere Klienten dabei unterstützen, Aspekte ihrer reduzierten Identität und ihrer Lebensumstände zu verändern und als eine gereifte und mutige Persönlichkeit mehr Risiken einzugehen?

Nelle opere di Nietzsche l’estetica non è direttamente intesa come un fattore di regolazione etica, ma una stimolazione della vita. Essa è più un elemento che crea un confine proprio, dionisiaco, e che si basa su un processo aperto del divenire

4. Ethik, Angst und das Eingehen von Risiken

«Feiglinge sterben viele Male vor ihrem Tod, der Tapfere schmeckt den Tod nie außer einmal». Shakespeare (Julius Caesar)

Ein erfülltes und ethisch würdiges Leben basiert auf der Akzeptanz der unumgänglichen Risiken des Lebens und damit der Bereitschaft, gegebenenfalls mutig zu handeln. Risiken einzugehen, ist ein entscheidender Teil der Conditio Humana.

Ethische Handlungen erfordern mitunter erheblichen Mut, wenn es darum geht, für adäquate Lebensumstände zu kämpfen, sich gegen Unrecht zu wehren oder Menschen zu helfen, die schutzbedürftig sind, oder «die rote Linie zu ziehen, jenseits derer man sich weigert, weiter zu kooperieren»[45]. Viele Menschen tendieren dazu, jedes Risiko des Lebens weit möglichst auszuschließen und sind bemüht, innerhalb ihres sicheren Umfeldes zu bleiben. Sie versuchen unter allen Umständen mit allen Mitteln zu vermeiden, den Preis des Lebens, dem eigene Tod, zu bezahlen[46]. Doch das menschliche Leben und die Entwicklung der individuellen Persönlichkeit vollziehen sich zwischen emotionaler Bindung und dem Streben nach Unabhängigkeit, von der ersten Trennung bei der Geburt und der daraus folgenden seelischen Bindung, bis zur letzten Trennung durch den Tod. Dieser dynamische und ethisch herausfordernde Prozess des Sich-Verbindens und -Lösens setzt sich während des gesamten menschlichen Lebens fort, was eine Kontrolle der damit verbundenen Angst ebenso wie immer erneut mutiges Engagement erfordert. Nach Rank kann man diese daraus sich ergebenden existenziell Grundängste, im Moment konkreter Handlungsschritte entweder als Lebensangst oder im Moment der Hingabe und Auflösung des bewussten Ichs als Todesangst verstehen (ebd.). Beide Ängste sind weitgehend durch unbewusste Hemmungen der einen oder anderen Richtung an der Kontaktgrenze eines mutigen, vitalen Lebens im Hier und Jetzt begründet. Doch ein solches, von Ängsten getriebenes Leben und Streben nach bloßer Selbsterhaltung bedeutet ein gefährliches Stillstehen wie ‘auf einem sich bewegenden Seil’[47]. Fritz Perls toppt sogar Nietzsches berühmten Seil-Metapher durch seinen programmatischen Satz: «To suffer ones death and to be reborn is not easy»[48], insofern sowohl das Aufgeben eines rigiden Lebensstils, (neurotic layer) als auch das daraus folgende Herauswagen aus der ‘Sackgasse’ in ein ethisches an der Zukunft orientiertes Leben unvermeidbar das Eingehen von Risiken erfordert. Die daraus folgende Möglichkeit, sich nach Überwindung des ‘Impass’ selbst neu zu erschaffen (wiedergeboren werden, s.o.), ist sogar noch riskanter, da diese bedeutet, sich selbst einer erhöhten sensiblen Wahrnehmung zu öffnen, mehr Authentizität zu riskieren und auch mehr Selbst- und Fremdverantwortung zu übernehmen. Es bedeutet dann vor allem auch, mit offenen Augen, sich selbst dem äußeren Wahnsinn der Welt und ihrer Miseren auszusetzen, besonders aber seiner eigenen Verletzlich- und Vergänglichkeit, diesmal aber ohne (neurotisch) schützendes Schild oder einem moralischen Charakterpanzer[49]. Das kann sehr schmerzhaft sein! Vielen scheint deshalb «eine Realität erträglich zu finden, an die sie sich mit einem gewissen Maß an Zufriedenheit anpassen können. Der Glückspegel ist aber zu niedrig, er ist schandbar niedrig, man schämt sich unserer Menschheit, es ist eine trostlose Illusion»[50].

Una vita piena ed eticamente dignitosa si basa sull’accettazione dei rischi indispensabili della vita stessa e quindi anche sulla disponibilità ad agire, eventualmente, in maniera coraggiosa. Correre rischi è una parte decisiva della Conditio Humana

Der ‘Vater’ der humanistischen Psychologie, Abraham Maslow, rang mit der Frage, wieso Menschen sich so konsequent von einem mutigen Handeln fernhalten. Seine Antwort überrascht: «Menschen fürchten ihre höchsten Fähigkeiten wie auch ihre geringsten»[51]. Sie haben eine doppelt begründete Angst vor ihrer eigenen Großartigkeit, ihren heroischen Taten als Manifestationen ihres selbst zu verantwortenden individuellen Willens und andererseits davor, die Kontrolle zu verlieren – das paralysiert viele Menschen. Die Begründer und Autoren der Gestalttherapie gaben dem Schutzmechanismus zur Abwehr dieser grundlegenden menschlichen Angst vor einem selbst zu verantwortenden Handlungsschritt innerhalb ihrer Theorie des Selbst einen eigenen Begriff: ‘Egotismus’. «Neurotischer Egotismus ist eine Art Verstrickung mit einem absichtsvollen Gewahrsein und dem Versuch, das Unvorhersehbare und Überraschende zu vermeiden. Der Patient tut nicht, was er doch tun könnte (…) und bringt nicht zu Ende, was er begonnen hat»[52]. Praktizierende Gestalttherapeuten kennen diesen Egotismus ihrer Klienten sehr gut: Wenn diese längst in der Lage zu sein scheinen, in Kontakt und in der Gegenwart zu sein, aber dennoch wie gelähmt sind, den letzten Schritt zu einer souveränen Veränderung dessen zu riskieren, was in ihrem täglichen Leben unbefriedigend ist. Diesen Klienten mangelt es an Mut zu diesem letzten Schritt in eine ungewisse Zukunft, den jedoch jeder Klient in der Therapie wie im Leben selbst tun muss. Nach Rank ist der weit verbreitete Verlust von Mut durch die doppelte existentielle Herausforderung des Menschen hervorgerufen. Der Mensch ist dazu verdammt, in besonderer Weise mutig zu sein: Auf der einen Seite hat der Mensch die Möglichkeit außergewöhnliche Leistungen zu vollbringen, die über ihn selbst und sein sterbliches Leben hinausgehen. Auf der anderen Seite ist er gefordert, sich selbst als Human Animal mit seiner ganzen Verletzlichkeit und Sterblichkeit anzunehmen. Ein mutiger Held sein, gefeiert werden und über das vergängliche Leben hinaus im Gedächtnis der Menschen bleiben zu wollen, ist eine genuin menschlich. Dieses Motiv ist in der psychischen Konstitution des Menschen seit dem Moment fest verankert, seit er seiner eigenen Sterblichkeit bewusst wurde. Das daraus folgende Motiv, die damit verbundene Todesfurcht zu überwinden, wurde in allen Kulturen durch einen haltgebenden Glauben gelöst, sowohl real (z.B. wie bei den Ägyptern) oder symbolisch (in einem Himmel oder in der Erinnerung des Kollektivs) ewig zu leben. Dieses Motiv zur Überwindung der Furcht vor dem Tod ist unter Umständen stärker als der biologisch verankerte Lebensinstinkt, und zugleich auch ein Hauptmotiv von Kultur und Kunstschaffen[53]. Es ist vor allem eine entscheidende, mehr oder weniger bewusste Kraft für ethisches und ästhetisches Handeln – sei es in einem kirchlich-sozialen (Betreuung andere Menschen in Spekulation auf Gottes Lohn), einem politischen

[Secondo Abraham Maslow] “gli uomini temono le loro capacità più alte allo stesso modo di quelle più limitate”

I fondatori e gli autori della terapia della Gestalt davano al meccanismo di difesa dal rifiuto di questa paura fondamentalmente umana una definizione tutta loro nell’ambito della teoria del Sè: “egotismo”. “L’egotismo nevrotico è un tipo di coinvolgimento con una consapevolezza intenzionale e il tentativo di evitare l’imprevedibile e il sorprendente. Il paziente non fa quello che potrebbe

(für das Vaterland sterben) oder einem künstlerischen Kontext (Kreieren von ewigen Werken) – um durch diese besonderen Leistungen im kollektiven Gedächtnis fest verankert zu bleiben. Dies gelingt besonders dann, wenn die entsprechenden Handlungen ethisch motiviert, durch persönlichen Mut ausgeführt oder durch eine kollektive, verankerte ideologische Überzeugung getragen sind. Nach Becker ist ethisch gerechtfertigtes Heldentum die andere Seite der Todesangst[54], ein Ausdruck des Instinktes zur (ewigen) Selbsterhaltung.

Secondo Becker, l’eroismo giustificato eticamente è l’altra faccia della paura della morte, un’espressione dell’istinto alla sopravvivenza (eterna).

Obgleich es für unser ethisches Gefühl in keiner Weise akzeptabel erscheint, ist die treibende Kraft, als islamistischer Selbstmordattentäter zu handeln, in dem ethischen Motiv begründet, ein besseres Leben für sich und andere zu erreichen (auf jeden Fall im Himmel). Es ist traurig zu erkennen, dass diese mutigen, jungen Menschen offensichtlich keine andere Möglichkeit zur Selbstrechtfertigung ihres Lebens sehen, als unschuldige Menschen in solch brutaler Weise zu töten! Auch angesichts dieser für uns unbegreiflichen Art menschlichen Verhaltens in unserer Zeit ist es entscheidend zu fragen, wie Menschen besser darin unterstützt werden können, einen ethisch wertvollen Beitrag im Rahmen ihrer individuellen Werte und kulturellen Weltbilder zur Stabilisierung ihres Selbstwertgefühls zu leisten. Unsere gegenwärtige Kultur hält durchaus Wege bereit, um sich als Held zu erleben. Auf alltäglicher Ebene scheint z.Z. hoch im Kurs zu sein: So viele Follower wie möglich zu haben, mit einem Schnäppchen nach Hause zu kommen, einen Fußballstar getroffen zu haben (damit an seiner Unsterblichkeit teilzuhaben), oder sich für Natur im Rahmen von Greenpeace zu engagieren. Nicht alle davon sind ethisch besonders wertvoll oder zur Sicherung der individuellen Unsterblichkeit geeignet, aber sicher darin motiviert. Eine wichtige Grundorientierung der Gestalttherapie besteht darin, dieses menschliche Grundbedürfnis nach Selbstrespekt und Wertschätzung bewusst anzusprechen durch die Unterstützung positiver Erfahrungen und Handlungen des Klienten – und nicht durch eine Hervorhebung ihrer Fehler, Krankheiten oder Symptome. From sagt: «We look to heaven (the potentials) not to hell of our client» (mdl. zum Autor). Wir ermutigen unsere Klienten z.B. darin, ihren Stolz über ihre Kinder oder ihre alltäglich mutigen Taten im Beruf oder ehrenamtlichen Engagement bewusst zu machen und offen auszudrücken. Eine ebenso grundlegende wie praktische Antwort der Begründer der Gestalttherapie kann helfen, diese doppelte existentielle, ethische Herausforderung der ‘Conditio Humana’ zu meistern. Einerseits durch Unterstützung des Awareness Continuum und damit einer Neubelebung der animalisch sinnlichen, aber auch der natürlich gegebenen Vergänglichkeit der Existenz, andererseits durch die Hervorhebung des individuellen Willens und der Kreativität des Klienten als wichtiger und selbst-transzendierender Aspekt des Menschseins. Es ist dieser doppelte Fokus einerseits auf den Prozess der Bewusstwerdung des Sinnlichen, andererseits auf die kreativ transzendente Seite des Menschseins, der den Menschen mit sich selbst, mit der Welt und Natur verbindet, was das ethisch wertvolle Gefühl der Dankbarkeit in sehr besondere Weise hervorruft. Die co-therapeutische Erforschung und Ausbalancierung dieser zwei Pole der menschlichen Existenz sind ein entscheidender Schlüssel des therapeutischen Ansatzes und Erfolges der Gestalttherapie. Dies macht deutlich, dass die Gestalttherapie in besonderer Weise die Integration der tiefen und ursprünglichen Konflikte des Menschseins im Blick hat. Dieser Beitrag zur Förderung der selbstbestimmten Entwicklung eines ethischen Profils innerhalb des Rahmens der Gestalttherapie konnte nur einige Aspekte zu diesem komplexen Thema der Entwicklung des ethischen Profils mit Hilfe der Gestalttherapie ansprechen; er will vor allem als Einladung an den Leser verstanden sein, an diesem unerlässlich gewordenen Projekt der Entwicklung von schlüssigen Konzepten zur Verbesserung ethischen Denkens und Handelns in unser ethisch deprivierten Gesellschaft engagiert mitzuwirken.

***

[1] C. Bühler (1975), Die Rolle der Werte in der Entwicklung der Persönlichkeit und in der Psychotherapie, Klett, Stuttgart.
[2] Vgl. F. Alt (2015), Der Appell des Dalai Lama an die Welt. Ethik ist wichtiger als Religion, Benevento, Salzburg, 7.
[3] F. Perls, R. Hefferline, P. Goodman (1951), Gestalt Therapy: Excitement and Growth in the Human Personality, Julian Press, New York, Kap. X, 8.
[4] S. Solomon, J. Greenberg (2015), The Worm at the Core, Random House, NY, 65 f.
[5] Für Rank bedeutet Glaube eine funktionelle kreative Projektion, eine Illusion, ist jedoch nicht zwingend (entgegen Freuds Auffassung) ein neurotischer Me- chanismus. Wir projizieren Teile von dem, dessen wir uns noch nicht bewusst sind, so dass wir in der Lage sind, dieses vor uns zu sehen, zu schätzen und schließlich als ein Teil von uns anzunehmen (vgl. Rank, und auch Perls’ Kon- zeption der Traumarbeit: Identifiziere dich mit jedem deiner in deinem Traum projizierten Teile).
[6] E. Durkheim (1922), Education et Sociologie, Paris.
[7] M. Buber (1923), Ich und Du, Labert Schneider, Heidelberg.
[8] O. Rank (1996) (ed. or. 1924), Trauma of the birth, in R. Kramer (ed.), A Psychol-
ogy of Differences, Princeton University, Princeton.
[9] Ebd, 176 f.
[10] Ebd, 48 f.
[11] Vgl. O. Rank (1932a), Art and Artist, Knopf, NY, 376.
[12] Id., Trauma of the birth, cit., 51.
[13] Vgl. Lukas, 23, 43.
[14] O. Rank, Trauma of the birth, cit., 231.
[15] F. Perls, R. Hefferline, P. Goodman, Gestalt Therapy, cit.
[16] Ebd.
[17] Vgl. S. Blankertz (2012), Gestalttherapie Essentials, Hammer Verlag, Köln, 22.
[18] F. Perls, R. Hefferline, P. Goodman, Gestalt Therapy, cit., 261.
[19] Vgl. B. Müller (2004), Das Konzept des Willens bei Otto Rank und Der Wille in
der Gestalttherapie, in H. Petzold, I. Sieper (eds.), Der Wille in der Psychothera-
pie, Vandenhoek, Göttingen.
[20] O. Rank (1929), Wahrheit und Wirklichkeit, Deuticke, Leipzig/Wien, 15.
[21] F. Perls, R. Hefferline, P. Goodman (1951), Gestalt Therapy, cit., Kap. X.
[22] Vgl. O. Rank (1930), Gestaltung und Ausdruck der Persönlichkeit, Deuticke, Leipzig/Wien, und auch Id., Seelenglaube und Psychologie, Deuticke, Leipzig/ Wien.
[23] Vgl. Id., Seelenglaube und Psychologie, cit., 31 f.
[24] Vgl. ebd.
[25] F. Perls, R. Hefferline, P. Goodman (1951), Gestalt Therapy, cit Kap. XI.
[26] Vgl. O. Rank, Gestaltung und Ausdruck der Persönlichkeit, cit., 41 ff.
[27] F. Perls, R. Hefferline, P. Goodman, Gestalt Therapy, cit, Kap. X.
[28] Vgl.G.Francesetti,M.Gecele,J.Roubal(2013),GestaltTherapyinClinicalPrac- tice. From Psychopathology to the Aesthetics of Contact, Franco Angeli, Mi- lano.
[29] A. Doubrawa, E. Doubrawa (2005), Der Weg zur Gestalttherapie; Laura Perls im Ge- spräch, Hammer, Köln, 174.
[30] Vgl. M. Seel (1996), Ethisch – ästhetische Studien, Suhrkamp, Frankfurt, 50.
[31] Ebd, 14.
[32] Ebd, 50.
[33] F. Perls, R. Hefferline, P. Goodman, Gestalt Therapy, cit., Kap. II, 8.
[34] P. Goodman (1977), Nature Heals: The Psychological Essays of Paul Goodman, Free Life Edition, New York.
[35] Friedlaender,derPerlsnichtnurphilosophischbeeinflusste,wareinerderbe- deutendsten Nietzsche-Interpreten und -Biographen, ebenso wie auch Buber der seine erste Veröffentlichung über «Nietzsche und die Lebenswerte” (vgl. M. Buber (1900), Nietzsche und die Lebenswerte, Berlin) schrieb, vgl. S. Fried- laender (1911), Friedrich Nietzsche. Eine intellektuelle Biographie, GJ, Göschen, Leipzig.
[36] Vgl.F.Nietzsche(1967),KritischeGesamtausgabeWerke(=KGW),Colli,G./Mo- tinari, München, Berlin, New York, V/1:43.
[37] Vgl. B. Bocian (2007), Fritz Perls in Berlin 1893-1933. Expressionismus – Psy- choanalyse – Judentum, Peter Hammer, Köln; E. Rosenfeld (2005), in A. Dou- brawa – E. Doubrawa (eds), Der Weg zur Gestalttherapie, cit.
[38] G. Colli, M. Montinari (1967), Nietzsche. Werke. Kritische Gesamtausgabe, De Gruyter, München, Berlin, New York, Kap. 3.4, 24.
[39] Ebd, Kap. V/ 2, 2018
[40] F. Perls, R. Hefferline, P. Goodman, Gestalt Therapy, cit., Kap. 1.10.
[41] G. Colli, M. Montinari, Nietzsche, cit., Kap. 3.3, 265.
[42] F. Perls, R. Hefferline, P. Goodman, Gestalt Therapy, cit., Kap. 2.1.
[43] Vgl. F. Perls (1969), In and Out the garbage pail, Real People Press, CA.
[44] Vgl. G. Yontef (1993), Awareness, dialogue and process: essays on Gestalt Ther- apy, Gestalt Journal Publications, Highland, 103.
[45] P. Goodman, Nature Heals, cit., 81.
[46] O. Rank (1936) (ed. or. 1929a), Beyond Psychoanalysis and its Importance for
Psychoanalytic Therapy, in R. Kramer, A Psychology of Differences, cit., 119 ff.
[47] Vgl. G. Colli, M. Montinari, Nietzsche, cit., Kap. 6.1, 10.
[48] F. Perls, In and Out the garbage pail, cit., 37.
[49] F. Perls, R. Hefferline, P. Goodman, Gestalt Therapy, cit., Kap. II, 12.
[50] Id.
[51] Übersetzt nach A. Maslow (1967), Neurosis as a failure of personal growth, Hu- manitas, NY, 163 ff.
[52] F. Perls, R. Hefferline, P. Goodman, Gestalt Therapy, cit., Kap. XV, 8.
[53] O. Rank, Art and Artist, cit., 39.
[54] E. Becker (1973), The Denial of Death, The Free Press, NY, 33.

Bertram Muller

Bertram Müller lavora come psicoterapeuta della Gestalt in uno studio privato a Düsseldorf e come formatore e supervisore della Gestalt in diversi paesi europei. Ha titoli accademici in Filosofia, Teologia (1973) e Psicologia clinica / Psicoterapia (1981). Ha studiato dal 1973 in Gestalt Therapy in Europa e negli Stati Uniti con Ischa Bloomberg, E. e M. Polster; Bob Martin e dal 1977 al 1982 con Isadore From. È stato il Vice-Presidente fondatore dell’Ass tedesca della Gestalt Therapy (DVG), cofondatore dell’Istituto di Gestalttherapy (IFG) di Düsseldorf; Otto Founder (DORG) e membro fondatore della European League of the Arts (ELIA). È stato fondatore e direttore artistico (1979-2013) della Tanzhaus NRW (Dancehouse Northrhein / Westfalia). È stato onorato con il “Chevalier des Art et des Lettres” (1991) del Ministro francese della Cultura: Jaques Lang, e con il German Dance Price / Deutsche Tanzpreis 2014. E ‘membro onorario del “Master in psicoterapia della Gestalt” (2016, Malta) . Ha pubblicato articoli su: Diagnosi in Gestalt; Metodologia della Gestalt; Educazione e coaching in Gestalt;  contributi di O. Rank nella terapia della Gestalt; gli insegnamenti di I. Fromm.

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